Schade…

Irgendwie kann Joseph nichts richtig machen und dann kommt auch noch Pech dazu

Vance Joseph is still on the hot seat after another calamitous defeat

Moin!

In den letzten zwei Wochen habe ich mich ja wieder mal etwas rar gemacht. Ich war an beiden Wochenenden unterwegs, konnte die Spiele nicht komplett oder überhaupt nicht sehen, und war somit auch nicht in der Lage einen Artikel zu schreiben. Was haben wir verpaßt?

Zum ersten den deutlichen Sieg bei den Arizona Cardinals (45:10). Zum zweiten den Cut von Quarterback-Hoffnung Chad Kelly, nach seinen fragwürdigen nächtlichen Aktivitäten.

Die Niederlage letzten Sonntag bei den Kansas City Chiefs (23:30) und natürlich den Trade von Demaryius Thomas zu den Houston Texans. Zu diesen Themen werde ich mich jetzt nicht mehr groß auslassen und will eher auf das letzte Heimspiel gegen die Houston Texans eingehen.

Denver pays tribute to Demaryius Thomas after trading him to Houston. Credit: Kyle Rickert

Da kommt man allerdings nicht an Demaryius Thomas vorbei. In mehr als acht Jahren war er ein treuer „Arbeiter“ in unseren Diensten. Hat den Super Bowl geholt, wobei er insbesondere in der Peyton Manning-Ära aufblühte.

Dieser gab damals bei seinem Abschied von der Footballbühne bekannt, wieviel ihm an der Zusammenarbeit mit dem Receiver aus Georgia lag. Keine Frage, nicht nur wegen seiner Qualitäten auf dem Platz, die zweitmeisten Receiving Yards nach Rod Smith, ein ganz großer in der Geschichte des Clubs.

Daß sein erstes Spiel, in dem er nicht die orange-blauen Farben tragen durfte, ausgerechnet in Mile High stattfand, ist schon kurios. Um so größer war natürlich die Begeisterung der Fans, die ihn vor Spielbeginn noch einmal feiern durften. Den Münzwurf danach verlor er – das Spiel sollte er gewinnen.

Im ersten Quarter hatte er dann auch gleich viel Spaß an seiner alten Wirkungsstätte. Gleich drei Pässe über 61 Yards fing er in ziemlich schneller Abfolge.

Im weiteren Spielverlauf war er dann so gut wie gar nicht mehr zu sehen, bis auf eine Strafe und eine kuriose Szene, als er sich an die falsche Position begab und sich bei seinem Quarterback erkundigen mußte, ob er jetzt richtig steht.

Als er die Antwort von Deshaun Watson wohl nicht verstand, nahm er kurzerhand ein Time Out. Nach dem Schlußpfiff hatte er es dann besonders eilig vom Spielfeld zu kommen.

Die Kamera fing ihn noch ein wie er in die Katakomben seiner ehemaligen Heimat sprintete. Man kann es nach so vielen Jahren nachvollziehen, wenn die Emotionen einen überwältigen. 

Aber nochmal zurück ins erste Quarter, auch wenn es davon nicht viel Gutes zu berichten gibt. Die Offense, wie auch die Defense brauchte einige Zeit, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Anders die Texans, die gleich in ihrem ersten Drive einen Touchdown fabrizierten und somit auch gleich punktemäßig den Ton angaben.

Courtland Sutton war es dann hauptsächlich zu verdanken, daß auch die Hausherren zu Punkten kamen. Er verhinderte mit seinem ersten Catch das zweiten 3-and-out infolge und war dann plötzlich im Zentrum des Geschehens als Case Keenum seine Wurfstärke mit einem gewaltigen Deep Pass unter Beweis stellte.

Der Ball ging über gut 70 Yards in die Endzone, in der Sutton den Ball leider nicht festhalten konnte, was allerdings hauptsächlich an dem starken Einsatz seines Gegenspielers lag, der ihm den Ball förmlich aus der Hand schlug. Schade… Brandon McManus verwandelte das Field Goal zum 3:7. 

Der nächste Aufreger meinerseits fand im darauffolgenden Drive der Texans statt. DeAndre Hopkins fängt einen Pass spektakulär in der Luft, geht zu Boden und der Ball springt nachdem er mit sämtlichen Körperteilen am Boden war aus seinen Händen.

Laut den seit dieser Saison geltenden Regeln, die einen Catch definieren, eine klare Sache. Der Ball gilt als gefangen. Punkt.

Vance Joseph continues to look out of his depth as a head coach in the NFL

Warum Vance Joseph trotzdem seinen roten Lappen aufs Feld schmeißen mußte, ist mir unbegreiflich. Seine Challenges in dieser Saison waren meist unbegründet oder sehr riskant. Dieser fehlt klar in die erste Kategorie.

Dann kam auch unsere Defense auf Hochtouren und so war es Rookie Bradley Chubb, der die Texans dann bei einem 4th-Down-Versuch an der Grenze der Redzone stoppte.

Aber die Offense vermochte den Ballgewinn nicht zu versilbern. Devontae Booker ließ den Ball gleich im zweiten Snap aus seinen Händen gleiten – Fumble – und so konnten die Texans an ziemlich genau gleicher Position weitermachen und kamen zu ihrem zweiten Touchdown – 13:3.

In diesem zweiten Quarter gab es dann jeweils noch ein 3-and-out von beiden Teams, bevor die Broncos wiederum aktiv wurden und mit nur 4 Snaps zu einem Touchdown kamen.

Den größten Raumgewinn bescherte ein Pass auf Matt LaCosse über 44 Yards. Zwei Catches von Jeff Heuerman für zusammen 24 Yards. Devontae Booker konnte dann den Ball fast mühelos über 14 Yards in die Endzone tragen – 13:10. Dabei sei erwähnt, daß Royce Freeman bereits das zweite Spiel infolge verletzungsbedingt (verstauchter Knöchel) fehlte.

Denver war nun dran und man merkte deutlich, daß die Mannschaft selbstbewußter und damit auch sicherer wurde. Ein weiterer ganz guter Drive, in dem sich Center Matt Paradis allerdings so schwer verletzte (Wadenbeinbruch), daß er wohl den Rest der Saison ausfallen wird, endete jedoch wieder mal fruchtlos.

Abermals standen nicht nur die Akteure auf dem Platz im Fokus des Geschehens, nein, es war wieder mal das Coaching Team angeführt vom Head Coach Vance Joseph, das den Zorn der Fans auf sich lud. Der Drive endete 18 Sekunden vor der Halbzeit in der Mitte des Feldes und man schickte Brandon McManus raus, um ein 62 Yard-Field Goal zu erzielen.

Es wäre seine persönliche Bestmarke und somit ist es äußerst fraglich warum man ihm nicht mehr Zeit verschafft hat? Durch ein Time Out, mit denen man ja sonst auch eher fahrlässig umgeht, wäre es möglich gewesen, seinem Kicker ein bißchen mehr Komfort für seine Bestmarke zu verschaffen.

Kurzum der Kick ging daneben und die Texans ihrerseits kamen auch nochmal in die Annehmlichkeit eines Field Goals vor der Halbzeitpause. Der Ball mußte ja nicht weit bewegt werden. Vance Joseph hatte den Texans-Kicker wie üblich „ge-iced“, das Field Goal ging daneben. Der zweite Versuch saß dann – 16:10.

Irgendwie kann Joseph nichts richtig machen und dann kommt auch noch Pech dazu…

Die zweite Halbzeit begann dann deutlich stärker. Die Defense stoppte die Texans-Offense ein ums andere Mal (Sacks von Chubb und Miller sei Dank) und auch die Offense war nun im Rhythmus den sie lange vermissen ließ.

Der vielleicht beste Drive der Saison, über insgesamt 81 Yards, endete mit einem starker Touchdownpass von Case Keenum auf Jeff Heuerman. Der Tight End war von zwei Verteidigern umzingelt und dennoch bekam er den Ball punktgenau in die Hände gespielt. Ein absolut genialer Touchdown, der die Broncos erstmals in Führung brachte – 16:17.

Die Texans kamen im nächsten Drive mit einem Field Goal zur erneuten Führung – 19:17 – doch ein vergebener Extrapunkt nach dem zweiten Touchdown in der ersten Hälfte, hätte nun teuer werden können. Denn die Broncos hätten nun mit einem Field Goal das Spiel für sich entscheiden können.

Ein langer, zäher Drive mit reichlich Bluthochdruck bei den Zuschauern folgte. Gleich zweimal mußten die Broncos im 4th Down alles riskieren, doch sie schafften es auf eindrucksvolle Weise in die Field Goal Range an die gegnerische 33-Yard-Linie. 

Brandon McManus kam raus und semmelte das Leder ein paar Meter rechts neben die Stangen. Das Spiel war aus und DT rannte davon…

Was bleibt nun nach so einer schmerzlichen Niederlage, nach der man sich um so tiefer im Niemandsland befindet? Die Playoffs sind passé, das ist wohl ziemlich sicher.

Case Keenum and Vance Joseph might not return to the Broncos in 2019

Aktuell steht man bei 3:6 und ich rechne bestenfalls noch mit einem 7:9 eher jedoch 6:10. Für eine Winning Season sehe ich kein Potential und die Gründe dafür sind schnell aufgezählt:

Nummer 1 – der Quarterback

Nach der Hälfte der Saison sehe ich Case Keenum lediglich als einen besserer Trevor Siemian.

Man sieht, daß er die Würfe draufhat, aber es fehlt an Ballsicherheit und an dem letzten Pass, der das Spiel zu unseren Gunsten entscheidet. Er kann einem schon leid tun, wenn wirklich traumhafte Bälle nicht zu Punkten führen.

Es ist auch nicht so, daß er nicht clever genug spielt, aber oftmals reicht eine „dumme“ Aktion, und er bringt sich um sämtliche Erträge. Zu oft aber kommt er in keinen Rhythmus oder es dauert ewig bis er ihn gefunden hat und dann ist das Spiel entweder schon entschieden oder wie so oft auf Messers Schneide.

Im aktuellen Quarterback Rating befindet er sich auf Rang 26. Von den nicht Rookie-QBs ist einzig Eli Manning hinter ihm. Das ist einfach viel zu schlecht und meilenweit von Playoff-Hoffnungen entfernt.

Nummer 2 – das Coaching

Nur allzuoft haben wir über diesen Punkt sprechen müssen und es ist nicht anzunehmen, daß sich das in den verbleibenden Spielen ändern wird. Schlechtes Playcalling gehörte dazu. Zu viel Passspiel bei deutlich stärkerem Laufspiel.

Auch wenn man der Fairness halber sagen muß, daß es bei den Spielständen häufig schwierig ist, verstärkt auf den Lauf zu setzen, wenn man hinten liegt. Unnötige Strafen gehören auch noch in diese Kategorie.

Nummer 3 – das Restprogramm

Hatte man sich vor der Saison noch so über den (leichten) Spielplan gefreut, war die Freude spätestens nach dem Jets-Spiel dahin. Nach der kommenden Bye-Week erwarte ich gegen die Chargers und Steelers keine Siege. Gegen die Bengals wird es eng.

Dann kommen mit den 49ers, Browns und Raiders drei Spiele die du auf dem Papier gewinnen mußt. Das trägt auch nicht wirklich zur Entspannung bei.

Ich weiß, das ist alles nicht sehr optimistisch, aber ich kann nichts beschönigen. Wir befinden uns wieder in einer Saison ohne Playoffs und mit ziemlicher Sicherheit auch ohne positive Bilanz. Die zweite Losing Season infolge.

Ich erspare mir jetzt die üblichen Floskeln wie, da muß oder wird dann was passieren. Allen sollte klar sein, daß wir uns immer noch in einer Phase der Orientierung befinden.

Geht es weiter nach unten oder doch vielleicht wieder nach oben. Keiner kann es genau sagen. Die diesjährige Draft Class macht allerdings etwas Hoffnung. Die Hauptfragen die bereits im Raum stehen und spätestens nach Ablauf der Regular Season auf dem Tisch liegen werden, sind: 

Wer wird der nächste Head Coach und wer wird der nächste Quarterback?

Ich erwarte nicht, daß das Management mit Vance Joseph in eine dritte Saison geht und ich bin mir derzeit sicher, daß man ebenfalls nicht mit Keenum weitermachen wird, es sei denn, er reißt in den verbleibenden Spielen das Ruder nochmal zu seinen Gunsten herum. Ich kann es ihm nur wünschen.

Dann ruht euch schön aus am kommenden Wochenende. 😉

Mile High Salute

GordonTwitter: @nenntmichGordon

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