Da geht noch was!

Vance Joseph is still on the hot seat after another calamitous defeat


Moin!

Die Broncos machen es uns aber nun wirklich nicht einfach. Letzte Woche die deutliche Niederlage, bei einem Team dessen Potential eigentlich unter dem eigenen liegen sollte. Diese Woche dann, zumindest am Ende, ein Spiel auf Augenhöhe mit einer 6:0-Mannschaft. Wie paßt das zusammen? Welche Schlüsse kann man daraus ziehen?

Hier mein Versuch das Spiel einzuordnen.

Zuerst viel mir ein ungewohntes und zugleich beängstigendes Detail auf. Das Stadion war während des kompletten Spiels nicht gefüllt. Klar, zu Beginn sind noch nicht alle an ihren Plätzen und das Wetter war auch nicht optimal – Minus 5 Grad und leichter Schnee. Auch haben die Rams sicher nicht so eine breite, reiselustige Fanbase. Doch ist es offensichtlich, daß der Zuspruch der eigenen Fans derzeit auf einem absoluten Tiefpunkt ist. Mit Buh-Rufen fängt es an und irgendwann schwindet auch die Unterstützung. Wirklich traurige Aussichten, die es zu verhindern gilt.

Weiter zum Spiel. Der zuletzt bekannte (manchmal furiose) Auftakt blieb dieses Mal aus. Die Rams dominierten und die Broncos Offense begann äußerst schwach mit einem 3-and-out gefolgt vom zweiten Drive in dem lediglich ein Firstdown durch Phillip Lindsay gelang. Case Keenum wirkte deutlich verunsichert. Ein Fumble im ersten Drive, der zum Glück gesichert wurde und beinahe eine Interception danach, sollten das ausreichend belegen.

Ganz anders sein Gegenüber. Jared Goff, einer der derzeitigen Kandidaten, wenn es um den MVP geht, legte gleich mal los. Seine zweiter Pass auf Woods brachte 44 Yards Raumgewinn und nur dank eines starken Einsatzes von Will Parks in der Endzone, konnte der Touchdown verhindert werden – Field Goal von Cairo Santos – 3:0.

Die Defense knüpfte dann allerdings insbesondere gegen den Lauf an das Spiel von letzter Woche an. Todd Gurley, der an diesem Tag seine persönliche Bestleistung mit 208 Rushing Yards und 2 Touchdowns aufstellen sollte, ging durch die Broncos Defense wie das sprichwörtliche warme Messer durch die Butter. Generell fehlte in der ersten Halbzeit der Defense jeglicher Biss. Im zweiter Drive der Rams, war es dann an Chris Harris Jr. den entscheidenen Pass zu verhindern und so wieder nur ein Field Goal zulassen zu müssen – 6:0.

Alle guten Dinge sind ja bekanntlich drei und so begann auch dieser dritte Drive der Broncos mit einem Screen Pass auf Emmanuel Sanders zum First Down. Selbst unter Druck beim dritten Versuch, klappte es plötzlich. Keenum wird den Ball rechtzeitig los und Phillip Lindsay schaffte die fehlenden Yards zum ersehnten First Down. Was dann kam ließ mich kurzzeitig vom Sofa aufspringen. Doch kommen außergewöhnliche Offensivaktionen der Broncos in dieser Saison nur zu selten ohne diese gelben Flaggen daher. Über die folgende Entscheidung läßt sich meiner Meinung nach aber nun wirklich mal intensiv diskutieren. 

Was war passiert? Case Keenum macht von seiner nicht zu unterschätzender Wurfstärke Gebrauch und zimmert den Ball über 44 Yards auf Emmanuel Sanders. Der Ball fällt unserem besten Receiver kurz vor der Endzone punktgenau in den Schoß. Die Nummer 10 geht zu Boden und kommt in der Endzone wieder hoch – Touchdown! Und was für einer! Sanders steht auf und zeigt mit dem Finger auf seinen Gegenspieler und man erkennt, daß auch Worte gewechselt werden. Der Ref, der direkt daneben steht, wirft die Flagge und man sieht in Broncos Country mal wieder sämtliche Felle davonschwimmen. Mit meinen plastischen Beispielen und Phrasen hab ich es aber wirklich heute. Erstmal wird eine Strafe von 15 Yards gegen Emmanuel Sanders wegen Verspottung des Gegners (taunting) verhängt. Diese wird wie der Ref es sagt, so verhängt, daß der Kickoff um die entsprechenden Yards nach hinten versetzt wird. Aber es folgt die Werbepause, denn die Szene ist natürlich „under review“. 

Das Ergebnis steht für mich da schon fest – alles, nur kein Touchdown! Es lautet dann auch, daß der Ball auf die 1-Yard-Linie gelegt wird, da das Knie von Sanders dort den Boden berührt hat. Kein Touchdown. Ist vielleicht gerade noch vertretbar als Broncos-Fan. Bei anderen Teams würde man jetzt Verschwörungstheorien rausholen, aber wir sind das ja gewöhnt. Doch kommt dann noch die verhängte Strafe ins Spiel, die den Ball dann von der 1-Yard-Linie auf die 16-Yard-Linie versetzt. Machen wir es kurz, den Broncos gelingt natürlich kein (weiterer) Sechser, sondern nur ein Field Goal zum 6:3 Anschluß.

Nach dem Spiel erklärte ein sehr deprimierter Emmanuel Sanders, daß er die Strafe nicht versteht. Er würde schon jahrelang auf seine Gegenspieler zeigen und ihnen nach solchen Szenen so ungefähr sagen: „Da habe ich es dir dieses Mal aber gezeigt!“ Keine wirkliche Beleidigung, aber die Regeln sind da halt hart und die Auslegung in diesem speziellen Fall wohl eher sehr hart und ohne jegliches Fingerspitzengefühl. Wäre das Spiel mit einem Broncos-Touchdowm am Ende des ersten Quarters anders verlaufen? Hätten wir die „verlorenen“ 4 Punkte auch am Ende des Spiels noch gehabt? Niemand weiß es, doch stehe ich in dieser Angelegenheit sehr auf Seiten unseres Spielers und sehe in der Auslegung der Regel schon etwas zu viel Ungerechtigkeit.

Todd Gurley wurde in der Folge dann wieder zum bereits beschriebenen Messer. Sein Touchdown im zweiten Quarter brachte die Rams mit 13:3 weiter nach vorne. Sogar bei 4th-and-inches und ohne Druck ließen sie ihn erfolgreich laufen. 

Dann sind es wieder Penalties der O-Line die sämtliche Offensivbemühungen zunichte machen. Keenum‘s Pässe sind auch noch zu ungenau. Zu hoch, zu lang, wir kennen es bereits. Sekunden vor der Pause gehen wir dann auch mal bei 4th-and-3 doch bis auf einen Sack an unserem Signal Caller kommt nichts dabei heraus. Was Sacks angeht, kam dann noch mehr. Dieses Mal aber auch von unserer Seite. Bradley Chubb schlug in einem Drive gleich zweimal zu und brachte Jared Goff zu Boden. Die Dominanz der Kalifornier schwand zusehends. 

Für den größten Jubel der ersten Halbzeit sorgte dann aber ein ganz anderer. Für den letzten Snap kam völlig überraschend Chad Kelly aufs Spielfeld und die Menge rastete förmlich aus. Mit einer erhobenen Faust und fast schon schüchtern bedankte sich der einstige Mr. Irrelevant bei seinen Fans und kniete lediglich den Ball ab – Halbzeit 13:3. Die Auflösung für die spontane Einwechslung lautete wie folgt. Case Keenum wurde bezüglich einer möglichen Gehirnerschütterung untersucht. Diese war negativ und er kam zur zweiten Halbzeit wieder zurück. Doch die Reaktion der Fans hat irgendwie einen ziemlich starken Eindruck hinterlassen.

Die zweite Halbzeit brachte dann eine unerwartete Wende. Hatte die Rams Offense bereits etwas gewackelt, so zeigte sie nun deutliche Schwächen auf und das lag maßgeblich an der erstarkten Broncos Defense. Es fand wieder Pass Rush statt. Zwei Sacks von Rookie Bradley Chubb hatte wir ja schon gesehen und er sollte noch einen folgen lassen. Auch Von Miller stand aus der Versenkung auf und kam zu einem Sack, dem ersten seit Spiel 2.

Nicht nur die Defense zeigte plötzlich ihr wahres Potential, nein, auch die Offense. Aus einer extrem schlechten Ausgangsposition quasi aus der eigenen Endzone feuerte Case eine weitere Kanone ab und die ging tief. Demaryius Thomas fing seinen ersten Ball des Spiels und das gleich für 45 Yards an der linken Außenlinie. Da klappten schon einige Kinnladen runter. Doch das Gute liegt nicht weit vom Schlechten und so wurden keine Punkte aus diesem Drive mitgenommen. Die Rams ihrerseits schafften mit minimalem Aufwand ihren zweiten Touchdown – 20:3.

Keenum brachte seine Leute wieder zurück, denn ein Ereignis fehlte heute ja und zwar eins, daß es nur bei den Broncos in dieser Saison gibt. Der Quarterback muß noch eine Interception werfen. Case Keenum hat es bisher als Einziger geschafft, in jedem Spiel mindestens eine Interception zu werfen. Ein rühmlicher Rekord… 

Los Angeles allerdings konnte aus dem Turnover kein Kapital schlagen. Nur zwei Snaps später wirft Jared Goff ebenfalls eine Interception. Der Ball trifft seinen Wide Receiver direkt auf den Helm. Von dort aus prallt der Ball nach vorne ab und mit einer starken Reaktion fängt Darian Stewart den Ball und packt ihn der Offense an die Redzone. Keenum findet schnell den völlig freien Emmanuel Sanders, der den Ball mit viel Einsatz über die Linie drückt während er zwei Gegenspieler abwehrt – 20:10. 

Der nächste Rams Drive endet mit einem verfehlten Field Goal und plötzlich sieht man doch nochmal Licht am Ende des Tunnels. Courtland Sutton fängt einen weiteren Deep Pass für 41 Yards Raumgewinn und Mr. 100 Prozent Brandon McManus verwandelt das Field Goal – 20:13. Ein Touchdown und wir sind dran. Doch Los Angeles Kicker Santos schafft auch noch einen Dreier – 23:13. Nun wird die Zeit knapp, alle Time Outs sind raus, doch in einem wirklich starken Comeback schaffen die Broncos tatsächlich noch einen zweiten Touchdown durch Demaryius Thomas – 23:20. Allerdings mißlingt der anschließende Onside Kick und das Spiel ist aus. Vierte Niederlage in Folge, trotz einer starken Aufholjagd in der zweiten Halbzeit.

Vergleichbar ist das Spiel wohl mit dem gegen die Chiefs. Auf Niveau mit einem Spitzenteam, doch ohne den Game-Winning-Drive. Eine Steigerung zur Vorwoche gegen die Jets war es alle Mal. Auch wenn die Probleme der Defense gegen den Lauf nicht besser wurden, allerdings hatte man mit Todd Gurley einen weitaus stärkeren RB vor der Nase als in New Jersey. Die Offense hat auch noch nicht ihren Rhythmus gefunden, wenngleich die Aufholjagd in der zweiten Hälfte nicht schlecht war. Dennoch gab es wie schon gegen die Jets ein Übermaß an Pässen, das Laufspiel, eigentlich eine unserer Stärken, wurde wieder vernachlässigt. Es gab nur 16 Rushings für insgesamt 60 Yards und dagegen 41 Passversuche. Die Rams kamen auf 39 Rushings für insgesamt 270 Yards und nur 28 Passversuche. Das schlägt sich dann auch in den Statistiken der Quarterbacks nieder, wobei Case Keenum auf dem Papier wieder der bessere QB war.

Seine Zahlen:

25 von 41 Pässen (61 %) für 322 Yards bei 2 TDs und 1 INT – 2 Sacks – QB Rating 91.7 

Jared Goff dagegen:

14 von 28 Pässen (50 %) für 208 Yards kein TD und 1 INT – 5 Sacks – QB Rating 58.8

Es war Goff’s mit Abstand schlechtestes Spiel in dieser Saison. Mit solchen Statistiken ist die Wahrscheinlichkeit extrem hoch, daß das Spiel verlorengeht, aber dank des überragenden Laufspiels reichte es zum glücklichen Sieg.

Keenum steht trotz seines dritten Spiels diese Saison mit mehr als 300 Passing Yards weiterhin in der Kritik. Seine Statistiken mögen in den letzten Spielen besser geworden sein, doch was fehlt sind Siege und eben die (spiel)entscheidenen Bälle, die er nicht an den Mann bekommt. Die Turnover-Rate ist ebenfalls zu hoch – Schlußlicht in der Liga. Daher muß er sich der ständigen Kritik stellen und endlich zurückschlagen. Es ist kein gutes Zeichen, wenn Vance Joseph nach dem Spiel klarstellen muß, daß er auch am Donnerstag in Arizona von Anfang an spielt. Er hat seine Position vom unumstrittenen Starter zu Beginn der Saison verspielt. Viele Fans fordern Chad Kelly. Das ist ein ungeheurer Druck auf den gebürtigen Texaner. Die Verletzung von Left Guard Ron Leary, der mit einem Achillessehnenriss für den Rest der Saison ausfällt, ist da alles andere als hilfreich. Konstanz in der O-Line ist eh Mangelware und wenn man auf die Defenses der kommenden Gegner schaut, insbesondere im November (Houston, Chargers, Steelers), dann ist noch weitaus höherer Druck auf den QB vorprogrammiert. Ein absoluter Härtetest, den er überstehen und vor allem meistern muß. Ansonsten bekommt er schneller als gedacht das Label „Gescheitert“. 

Einen ähnlichen Druck spürt auch Vance Joseph. Er hat es selbst erkannt, daß auch er um seinen Job bangen muß. John Elway hatte am Montag in einem Interview gesagt, er hofft, daß das Team die immer wiederkehrenden Fehler endlich abstellt und besseren Football spielt. Das Potential ist da, es gibt Spieler die gut spielen, aber als Team spielen wir schlecht. Er hoffe das Team würde am Donnerstag eine Mentalität an den Tag legt, in der es zeigt, daß es um sein Leben kämpft. Die Broncos werden sich aus dieser Situation herausgraben, aber es gibt dafür keinen magischen Schalter. Ich entnehmen diesen Aussagen, daß das kommende Spiel gegen die Arizona Cardinals ein absolutes Entscheidungsspiel sein könnte. Sollte die Verteidigung gegen den Lauf (die schlechteste der Liga) nicht besser werden, es erneut zu kostspieligen Penalties kommen, dann wäre es keine Überraschung, wenn es vor dem übernächsten Spiel in Kansas City personelle Veränderungen geben sollte.

Schauen wir also nach vorn. Wir haben es selbst in der Hand. Das wichtigste ist das Potential ist definitiv da. Wir haben ein starkes Laufspiel, das wir nur nutzen müssen. Wir haben starke Receiver die Bälle fangen können und verbissen um jedes Yard kämpfen. Wir haben eine Defense, die deutlich besser spielen kann, als das was wir über weiten Strecken der Saison gesehen haben. Und wir haben einen Quarterback der werfen kann. 

Mein Appell: Besinnt euch auf eure Stärken und spielt diszipliniert. So hätte jedes der verlorenen Spiele gewonnen werden können. Ich lasse mich von keiner Verlierermentalität gefangennehmen!

Seid bereit!

Mile High Salute,

Gordon

Twitter: @nenntmichGordon

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