Oh, Broncos, ihr seid so 2017

Trevor Siemian and Paxton Lynch at Broncos training camp. Credit: Ryan Greene

Moin!

Na wie geht es euch heute? Fühlt ihr euch auch ins Jahr 2017 zurückversetzt? Genauer gesagt in die NFL-Saison 2017? Also für mich könnte jetzt auch Oktober 2017 sein. Die Broncos beginnen hoffnungsvoll ein Spiel, kommen zu den ersten Punkten und dann fällt das Kartenhaus wieder zusammen.

Unnötige Penalties, schlechtes Playcalling, 3-and-outs, noch mehr Penalties und haufenweise Punts während die gegnerische Offense langsam aber stetig Punkte einfährt und die Broncos am Ende verlieren. Genau so sah es nämlich am frühen Sonntagabend in Baltimore aus. Der Tag hatte schon schlecht angefangen. Zuerst natürlich ein Auswärtsspiel – Höchststrafe für jeden Broncos-Fan, denn zuletzt hatte man in 10 Auswärtsspielen nur einmal gewonnen.

Der letzte Sieg ist dabei noch gar nicht so lange her, Dezember 2017 in Indianapolis noch mit Brock Osweiler. Davor hatte man das letzte Mal in Jacksonville am 4. Dezember 2016 gewonnen. Quarterback war damals Paxton Lynch, der für den verletzten Trevor Siemian sein zweites Spiel überhaupt machte.

Zurück ins hier und jetzt. Das Regenwetter in Baltimore half dann auch nicht. War man doch die letzten zwei Wochen in Colorado große Hitze gewöhnt. Aber so schlecht war die Ausgangslage dann doch nicht. Die ersten zwei Spiele gewonnen. Tolle neue Spieler. Eine wieder erstarkte Defense. Ein Quarterback. Was will man mehr?

Klar, das Spiel bei den Ravens sollte der erste Härtetest sein. Das Team hat ihn wacker angenommen, doch ist dann kläglich gescheitert. Wieviele Strafen waren es noch gleich? 12 oder 13? Für 120 Yards…? Nicht euer Ernst!? Doch!

Fangen wir trotzdem nochmal mit etwas Positiven an. Nämlich mit Bradley Chubb und dem starken Special Team. Chubb machte sein bisher stärkstes Spiel. Gleich im ersten Drive brachte er Joe Flacco zu Boden. Ein Sack, 3-and-out und der darauffolgende Punt brachte noch mehr Freude bei den Fans in Orange und Blau. Special Teamer Joseph Jones fliegt dem Ravens Punter Koch entgegen.

Der Ball bleibt in der Redzone der Broncos liegen. Klasse Ausgangsposition für den ersten Offense-Drive. Dieser wird auch ohne großes Hin und Her genutzt. Den Ball in die Hände von Royce Freeman gegeben und schwupps ist er auch schon die wenigen Yards in die Endzone gestürmt 7:0. Effektiver geht es nicht.

Danach ging es mit dem ersten Penalty des Spiels für einen Neuling aber schon negativ weiter. Rookie-CB Isaac Yiadom, der bereits in der Preseason nicht immer voll auf der Höhe war, mit einer folgenschweren und vor allem dummen Strafe. Nachdem der Ball im Aus war griff er den Ravens Kick Returner an.

Die Strafe brachte den Ball an Denvers’ 48-Yard-Linie. Von dort brauchte es dann nur einen Pass auf einen Rookie-TE, der die bekannte Schwäche der Broncos Defense erneut demonstrierte, wenn es darum geht gegnerische Tight Ends zu kontrollieren.

Dann ist Baltimore auch schon in der Redzone und wenn sie dort sind, haben sie in dieser Saison immer auch die Endzone gefunden. So sollte es bleiben. Eine Strafe gegen Todd Davis bringt noch weitere Yards geschenkt. Running Back Alex Collins sprintet zum Touchdown und vollführt ein ansehnliches irisches Tänzchen – 7:7.

Noch aber war nichts verloren. Case Keenum brachte seine Broncos zurück aufs Feld und Dank einer wichtigen 3rd-Down-Conversion über Courtland Sutton bleibt man im Spiel und auch gleich wieder in Baltimore’s Spielhälfte. Wie schon gegen die Seahawks im ersten Saisonspiel, benutzt man nochmal die End-Around-Variante mit Emmanuel Sanders und dieser sprintet federleicht über 35 Yards in die Endzone – 14:7. Läuft doch bestens.

Das sollte es dann aber leider schon gewesen sein mit dem Feuerwerk der Offensive. Keine weiteren Punkte außer dieser 14 aus dem ersten Quarter sollte es im weiteren Spielverlauf geben.

Im Anschluß kassierte man erst ein Field Goal – 14:10. Dann verschenkte man ein Time Out, weil Vance Joseph, warum auch immer Michael Crabtree den eindeutig gefangenen Ball nicht gönnte. Wäre es um Crabtree’s neue Kette gegangen, hätte ich es ja noch verstehen können (ich vermisse Leeb…). Die Referees hatten keine große Mühe ihre richtige Entscheidung aufrechtzuerhalten. Ein Touchdown der Ravens folgte im nächste Drive – 14:17. Die zwischenzeitlichen Offensivbemühungen der Gäste bleiben unerwähnt. 

An seinem ersten Tag sah Isaac Yiadom gleich nochmal schlecht aus, als Joe Flacco einen weiten Pass über 44 Yards bei seinem WR John Brown anbringen konnte. Mit einem Field-Goal-Versuch endete dieser Ravens Drive, doch wieder gelang es dem Special Team der Broncos den Ball zu blocken. Dieses Mal war es Justin Simmons der über die Line sprang und den Ball blockte, dieser wurde dann von Chris Harris Jr. aufgenommen und bis in die Endzone gebracht. Aber eine Strafe gegen Billy Turner oder wie man nach dem Spiel erfuhr gegen Domata Peko (keiner weiß es genau) machte den Touchdown zunichte und so blieb es lediglich beim Ballbesitz, der nur in einem weiteren Punt von Marquette King punktlos endete. 

Vorher jedoch gab es noch eine, vielleicht spielentscheidene Szene. Case Keenum wird von Terrell Suggs heftig gesackt. Der Ball geht zu Boden, Suggs bringt ihn im Fallen an seinen Körper. Angeblich soll Jared Veldheer den Fumble recovert haben, was ich so nicht sehen konnte. Was man in der Wiederholung allerdings gut sehen konnte war ein Pulk von Spielern, die meisten am Boden, so auch Rookie-RB Phillip Lindsay, der sich wohl etwas zu übermotiviert um die Eroberung des Balles bemühte und zwei-, dreimal durch heftige Armbewegungen, die auch Schläge gewesen sein können, auffiel. Fazit – die Referees stellen den Jungen wegen unnötigen Härte vom Platz – ab in die Dusche, Feierabend! 

Im nächsten Drive der Hausherren sehen wir noch einen weiteren schönen Sack. Shane Ray entledigt Flacco des Balles, welcher jedoch im Besitz der Offense bleibt. Der darauffolgende Broncos Drive endet nachdem Courtland Sutton den Ball bei der 3rd-Down-Conversion fallen läßt mit einem erneuten Punt. Baltimore schafft dann vor der Pause noch ein Field Goal zur 14:20 Führung.

Die Flaute in der Offensive setzt sich wie schon erwähnt in der zweiten Halbzeit fort. Selbst wenn mal was klappt wie ein schöner tiefer Pass auf Demaryius Thomas, ploppt gleich das gelbe Flaggensignal am Bildschirm auf und der Referee verkündet, wie in jenem Fall, eine Strafe gegen Garett Bolles wegen Haltens. Wieder zurück, doch immer noch in Reichweite von zumindest 3 Punkten, gibt es danach eine erneute Strafe gegen Ronald Leary und der Ball wandert zurück bis fast an die Mittellinie und der einzige der heute neben Baltimore’s Tucker kicken darf, ist nur unser Punter Marquette King. Siebenmal in Folge „durfte“ er punten….

Dann blieb ihm aber doch nochmal ein Punt am Ende eines Drives erspart. Eine Interception von Case Keenum bringt dieses Mal einen wieder sehr erfolgversprechenden Drive zum Erliegen. Zuvor sorgten gute Completions durch Sanders und Sutton für Raumgewinn, der dann aber auch durch eine Bolles-Strafe reduziert wurde. 

Als die Zeit langsam zur Neige ging, schöpften die Broncos-Fans Dank eines weiteren guten Drives nochmal Hoffnung. Der Ball war in der Redzone angelangt und wir sind beim 4. Versuch und nur noch ein Yard ist zu überwinden. Da gibt es die letzte Strafe des Spiels – zu viele Broncos-Spieler auf dem Feld. Der Ball wird daraufhin 5 Yards nach hinten verlegt, 4-and-6 heißt es nun und der Pass auf Jake Butt ist wie viele Bälle heute sehr nah am Boden und schließlich incomplete. Ende und Aus! Die Ravens spielen die Uhr problemlos runter. Joe Flacco scrambled auf seine alten Tage sogar nochmal und kann sich feiern lassen.

Da sind wir also in 2017. Die Offensive schafft keine First Downs bzw. kommt nicht zu Punkten. Zahlreiche Strafen machen gute Spielzüge und Raumgewinne zunichte. Die Defense und das Special Team machen einen guten Job, doch die Offense kann daraus kein Kapital schlagen. Das hatten wir alles schon zu Genüge in den vergangenen Spielzeiten. Sollte sich nun nach den ersten drei Spieltage wieder die gleiche Lethargie einstellen? Man kann es eigentlich nicht glauben. Die O-Line wurde in den ersten beiden Spielen (zu Recht) gelobt, denn sie hatte wirklich einen guten Job gemacht. Ihre Leistung am Sonntag war dagegen unterirdisch und für mich das Hauptproblem der Niederlage, insbesondere durch die vielen Strafen. 

Daß Case Keenum in der Lage ist, das Spiel zu führen, First Downs zu machen und schlußendlich auch zu Punkten, haben wir gesehen. Auch wenn er sicher nicht seinen besten Tag hatte – 22 von 34 Pässen für 192 Yards / 64,7% completion rate / kein Touchdown / 1 Interception / 67.3 QB rating – so waren die Chancen da, noch wenigstens 2 Touchdowns zu machen. Das hätte seine Statistik deutlich verbessert und mit 14 Punkten mehr auf dem Konto wäre man auf Augenhöhe mit den Ravens gewesen. Deutlich besser waren sie ja nicht – nur eben viel disziplinierter und effektiver. 

Die Einsicht bei den Spielern, insbesondere Garett Bolles, war da und auch Vance Joseph hatte nach dem Spiel in den Penalties den Hauptgrund der Niederlage ausgemacht. Dies läßt zumindest auf Besserung hoffen, denn genau die werden wir brauchen, wenn es am kommenden Montagabend (Dienstagnacht…) zu Hause gegen die Kansas City Chiefs zum AFC West-Showdown kommt.

Die beiden besten Teams der Division gegeneinander, wobei man angesichts der bärenstarken Chiefs wohl kaum von einem Duell auf Augenhöhe sprechen kann. Ich bin dennoch optimistisch. Die Chiefs haben in den ersten Spielen, zwar gegen starke Gegner (Chargers, Steelers, 49ers), mindestens 27 Punkte zugelassen.

Über die Offensivleistung in diesen Spielen wollen wir erstmal nicht reden, denn in Mile High muß man erstmal gegen unsere Defense ein Bein auf den Boden bekommen. Patrick Mahomes war megastark, aber ich freue mich auf das Duell gegen Miller, Chubb und Co. Hoffe aber auch, daß man die Tight Ends unter Kontrolle bekommt. Travis Kelce lief in den letzten beiden Spielen zu Hochform auf und der freut sich bestimmt schon auf das Spiel in Denver.

Wir sind auf alle Fälle die Underdogs, aber dennoch erwarte ich ein spannendes Spiel und wäre nicht überrascht, wenn der Außenseiter auftrumpfen sollte. 

Mile High Salute,
Gordon

Twitter: @nenntmichGordon

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