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Von Miller gets the crowd excited at Broncos training camp. Credit: Ryan Koenigsberg/BSN Denver

Moin!

Na bitte, der Auftakt ist gemacht und meine Hände zittern immer noch von letzter Nacht. Endlich mal wieder ein spannendes Footballspiel und dann auch noch mit erfolgreichem Abschluß. Dann werfen wir uns gleich ins Getümmel mit einem kurzen Rückblick, etwas Lob und natürlich auch Kritik an den Geschehnissen.

Los ging es mit Ballbesitz für die Broncos und Case Keenum’s erstem Drive in der Regular Season. Gleich der erste Pass machte deutlich, daß der neue Mann under center in Mile High auf volles Risiko geht. Fast eine INT. Royce Freeman’s erster Lauf hätte so schön sein können und mit einem First Down belohnt werden müssen, hätte sich Demaryius Thomas nicht eine völlig unsinnige Strafe wegen Haltens eingefangen. Im dritten Versuch folgte dann ein zu hoher Pass in Richtung TE Matt LaCosse, der gleichzeitig das Endes des ersten Drives bedeutete.

Die Defense kam raus und zeigte der Seahawks-Offense wohin es heute gehen sollte. Darian Stewart mit einem Sack an Russell Wilson – 3-and-out – Dankeschön! Der anschließende Punt wurde dann vom neuen Punt Returner CB Adam „Pacman“ Jones empfangen und 23 Yards nach vorn getragen. Ein gutes Zeichen, daß die katastrophalen Special-Team-Auftritte der letzten Saison(s) nicht unbeachten blieben, und man dort richtig investiert hat. Ein Penalty schmälerte allerdings den Raumgewinn und es ging zurück an die eigene 10-Yard-Linie.

Der zweite Keenum-Drive ließ viele Broncos-Fans dann das erste Mal zweifeln, ob man sich mit dem Texaner wirklich verstärkt hatte. Ein ganz schwacher Pass wurde von Earl Thomas III intercepted und brachte das Mile High Stadium erstmal zum Schweigen. Die Defense zeigte daraufhin auch bekannte schwächen im Umgang mit gegnerischen Tight Ends und so gelang dem Rookie Will Dizzly ein verdienter Touchdown zur 7:0 Führung der Gäste.

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Mit dem dritten Offensive Drive kam der Broncos-Tross endlich richtig in Schwung. Ein starker Pass auf Rookie WR Courtland Sutton und abschließend ein Kurzpass auf Rookie RB Phillip Lindsay, der den Ball über 29 Yards in die Endzone brachte – 7:7. In seinem ersten Regular-Season-Spiel den ersten Touchdown der Saison für sein Team zu erzielen – als undrafted Rookie… Was für eine Story für den gebürtigen Denver‘ Jung! Das Publikum war entsprechend aus dem Häuschen. Reichlich Glück hatten die Hausherren aber auch in diesem Drive. Royce Freeman war der Ball bei einem Lauf im Fallen aus den Händen gerutscht. Ein klarer Fumble. Schnell machte man den nächsten Snap bevor Seahawks Coach‘ Pete Carroll seinen roten „Lappen“ aus der Gesäßtasche zerren konnte. Völlig nachvollziehbar war er dann ziemlich erbost und schimpfte wütend mit einem der Refs.

Die Defensive danach solide, keine Punkte für Seattle. Ebenso machten es dann die Broncos. Zwei gute Pässe auf Demaryius Thomas und Emmanuel Sanders, doch die 3rd-Down-Conversion mit einem netten Pump Fake scheiterte an der Ungenauigkeit des Passes auf WR Tim Patrick. Dieser weitere Neuling, kann ebenfalls als Verstärkung, insbesondere des Special Teams gezählt werden. So konnte er bei diversen Punt bzw. Kick Returns den jeweiligen Returner, meist Tyler Lockett frühzeitig stoppen. Ein weiterer Special Teamer trat dann auch positiv in Erscheinung – Punter Marquette King. Wie schon in der Preseason zeigte er sein Können, mit einem Punt an die gegnerische 4-Yard-Linie.

Dieses Mal konnte Seattle die schlechte Ausgangslage jedoch nutzen und kam Dank eines starken Laufs (24 Yards) von RB Chris Carson, der dabei Bradley Roby wie eine Hürde übersprang, aus der brenzlichen Lage kurz vor der eigenen Endzone und dann ein weiteres Mal mit einem 66-Yard-Lauf von TE Dizzly weit nach vorn, um per Field Goal erneut in Führung zu gehen – 10:7.

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Davon unbeeindruckt schien dann die Offense. Phillip Lindsay nun mehrfach als RB eingesetzt, zeigte seine Beweglichkeit, mit Cuts vom Feinsten. Ein feiner Pass in die Mitte direkt in den Laufweg von Emmanuel Sanders ließ die Keenum-Kritiker erstmal wieder verstummen. Der erfahrene Wide Receiver machte aber noch mehr aus diesem Pass, indem er sämtliche Defensive Backs abschüttelte und mit einem spektakulären Vorwärtssalto in die Endzone knallte – 10:14 – erste Führung und leuchtende Augen quer durch Broncos Country.

Die Defense konnte dann Dank ihres extrem starken Pass Rush reichlich Druck aufbauen und auch Dank einiger Penalties der Seahawks-Offense den Spielstand unverändert halten. Der nächste Drive der Offense endet mit einem 51-Yard-Field-Goal von Brandon McManus – 10:17 – womit es dann auch in die Pause gehen sollte. Vorher bekamen die Zuschauer aber noch zwei Sacks von Von Miller zu sehen, der wie neugeboren wirkte. Sowie einen weiteren Sack von Shaq Barrett und leider auch noch die zweite Interception von Case Keenum, beim Versuch TE Jake Butt zu bedienen.

Die zweite Halbzeit begann dann deutlich ruhiger. Auf beiden Seiten klappte nicht viel, bis Von Miller in bester Schulhofmanier den Ball aus den Händen von RB Chris Carson riss und seine Offense in eine gute Ausgangslage brachte. Diese wurde allerdings nicht genutzt, denn die dritte Interception des Tages von Case Keenum folgte unweigerlich und Ex-Bronco Brandon Marshall, der WR auf Seiten der Seahawks, glich das Spiel mit seinem ersten Touchdown für die Seahawks überhaupt aus. Der Pass von Keenum zuvor war sicher nicht zu schlecht geworfen. Etwas zu hoch natürlich, aber mit dem richtigen Timing beim Absprung hätte selbst Neuling Tim Patrick das Leder sichern können. So kam Russell Wilson wieder aufs Feld zurück, der auch etwas fahrig wirkte, den Ball viel zu kurz warf und Justin Simmons sicherte sich mit einem kühnen Sprung die Interception. Der nachfolgende Drive wurde per 53-Yard-Field Goal abgeschlossen – 17:20 für die Broncos.

Die Defensive Line machte es ihrem Gegner dann auch nicht leichter als zuvor. Vorzugsweise mit einer Contain-Taktik, um Russell Wilson nicht aus seiner Pocket kommen zu lassen. Dort im freien Raum ist er ja bekanntlich besonders effektiv und neigt viel zum Laufen, was er sich in Denver nicht einmal traute. Der QB wurde regelrecht in die Zange genommen und gehörig Druck kam über Von Miller und Bradley Chubb. Durch die Mitte dann auch noch Shelby Harris und Derek Wolfe. Das war alles schon ziemlich großes Kino. Dennoch kam plötzlich wie aus dem Nichts ein tiefer Pass auf den pfeilschnellen Tyler Lockett zu Stande, der das Spielfeld kreuzte und ungebremst über 51 Yards in die Endzone sprinten konnte – 24:20 Spiel wieder gedreht und man hatte das Gefühl, daß dies ein Momentum Shift sein könnte.

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Daraus wurde zum Glück nichts, denn ein beeindruckender Drive folgte, in dem Rookie Phillip Lindsay einen Lauf über 14 Yards hinlegte, und Raumgewinn durch Pässe auf Courtland Sutton (25 Yards) und Jake Butt (22 Yards) folgten. Dies alles mündete in die spielentscheidene Szene, als Case Keenum an der 4-Yard-Linie etwas aus der Pocket ging, um den Ball mit gehöriger Wucht wie einen Pfeil in Richtung edge-of-the-box zu werfen. Hinter den zum Ball fliegenden Seahawks Backs tauchte Demaryius Thomas auf und fing den Ball auf unnachahmliche Weise mit beiden Füssen in der Endzone und ging außerhalb dieser zu Boden. Jubel brach aus, aber gleich wurde klar, daß die Szene „under review“ gehen würde. So dauerte es einige Minuten bis der Touchdown zur erneuten Führung der Broncos bestätigt wurde – 27:24.

Dieser Spielstand sollte sich nicht mehr ändern, denn Dank eines sehr guten Clock Managements, mit der Hilfe von tollen Läufen Royce Freemans‘ zu First Downs, dem dritten Sack Von Millers‘, einem weiten Punt an die 12-Yard-Linie der Seahawks und dem sechsten Sack an Russell Wilson durch Chris Harris Jr. lief Seattle die Zeit sprichwörtlich durch die Hände.

Erster Sieg, alles gut – möchte man vielleicht sagen, doch bis auf das Ergebnis und die starken Leistungen von Philip Lindsay, Emmanuel Sanders, Demaryius Thomas und vor allem der Defense um Von Miller, kann ich etwas Kritik nicht unterschlagen.

Case Keenum wirkte gleich zu Beginn voll auf der Höhe. Er war wie man es so schön sagt, der Leader, den ein Team braucht um selbstbewußt ein Spiel zu bestreiten. Doch auf die punktgenauen Pässe und sein cleveres Ballmanagement folgten immer wieder Aussetzer. Schlechte Reads gefolgt von viel zu risikoreichen Pässen. Ihm zu Gute halten müssen wir natürlich den risikoreichsten Pass zum alles entscheidenen Touchdown, aber fängt Thomas den Ball nicht, ist der Drops gelutscht. Daher wirkte er auf mich gestern so wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Auf der einen Seite genial und wenig später mit fiesen Patzern. Im Interview nach dem Spiel hat er sich zu seinen Fehlern bekannt. Das läßt auf Einsicht schließen und auf Besserung hoffen. Seine Bilanz 25 von 39 Pässen kamen an für insgesamt 329 Yards bei 3 Touchdowns und 3 Interceptions – QB Rating 84.2

Zu Loben ist natürlich nochmal die Defense, die für mich spielentscheidend war. Ohne die durch sie erwirkten Turnover kommt man gegen Seattle böse unter die Räder. So aber ist es genau anders herum gelaufen. Die Broncos waren das klar dominierende Team, daher der Sieg auch verdient. Doch hat nicht viel gefehlt und man steht am Ende mit leeren Händen da.

Was ist sonst noch zu verbessern? Eigentlich nicht viel. Man hat mit den Seahawks eine Mannschaft auf Augenhöhe gehabt. Denen geht es ähnlich wie uns, nur sind wir vielleicht schon einen Schritt weiter was den Umbau des Teams angeht und unser Trend zeigt wieder nach oben. Unsere Rookies machen richtig viel Hoffnung. Die Defense muß einen Weg finden die gegnerischen Tight Ends besser zu kontrollieren. Das ist nichts Neues. Die Offensive Line hatte kaum Aussetzer und ich reiße mich zu der Aussage hin, daß sie solide gespielt hat. Ich kann mich an kaum einen blöden Penalty erinnern, wovon es letztes Jahr pro Spiel viel zuviele gab. Das Special Team habe ich schon mehrfach gelobt. Die Run Defense war auch stark, selbst wenn das gegnerische Running Back Korps nicht sooo stark war.

Damit bleibt für diesen Spieltag eigentlich nichts weiter zu sagen, und wir schauen freudig nach vorn. Am Sonntag kommen die Raiders nach Denver. Danach folgt ein schweres Auswärtsspiel in Baltimore und dann hat man beim Monday Night Football in den Kansas City Chiefs einen weiteren unangenehmen Gegner. Nach diesen 3 Spielen kann man sicherlich sagen in welche Richtung es diese Saison geht bzw. gehen könnte.

Ich bin optimistisch, denn ich war mir nicht sicher, daß wir die Seahawks schlagen können. Wenn die Defense so weiterspielt und die Offense die „Früchte“ der Defense „erntet“, sprich die Turnover in Punkte verwandeln kann, dann braucht man in dieser Liga vor niemandem Angst zu haben. Natürlich kann man nicht nur auf Turnover bauen, aber naja, das hat ja vor ein paar Jahre auch schon mal ganz gut geklappt 😉

Mile High Salute

Gordon

Twitter: @nenntmichGordon

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