Broncos Country, da sind wir wieder

Case Keenum leads the Denver Broncos offense at training camp. Credit: Ryan Koenigsberg/BSN Denver

Moin!

Nach einer ziemlich langen Pause, freue ich mich riesig, daß die Saison gestartet ist und es nun auch wieder regelmäßige Kolumnen gibt. Ich habe den Akku über die letzten Monate aufgeladen, nicht spekulieren wer weiß wie stark wir sind und was für Hall of Famer wir im Team haben, um mich voll auf das Spielgeschehen zu konzentrieren. Die Erfahrung der vergangenen Jahre hat gezeigt, daß sämtliches Vorgeplänkel meist überflüßig ist. Fakten soll es geben und genau die bekommen wir jetzt. Zuerst, in der Pre-Season, noch in abgeschwächter Form, aber die ersten vier Partien sind meist schon ein kleiner Fingerzeig wo es in der Saison hingehen könnte. Allerdings wie insbesondere die letzte Spielzeit gezeigt hat, sind die Ergebnisse der Pre-Season Spiele kein Indikator. Letztes Jahr waren wir 4:0 nach den Vorbereitungsspielen und dann in der Saison nur einen Tick besser…

Ich konnte das Spiel leider nicht live sehen, was mir allerdings einen nächtlichen Wutanfall erspart hat. Der Grund: NFL GamePass! Sonntagabend will ich mir in Ruhe alle Spielzüge ansehen, doch was passiert? Das Spiel auf GamePass funktioniert nicht. Mir fehlen irgendwelche Rechte von denen ich noch nie gehört habe. Ein Blick in die Kommentare im App-Store reichen schon, um das Problem zu finden. Ziemlich viele hatten wohl das gleiche Problem. Einmal die App deinstallieren und komplett neu installieren, anmelden und schon kann es losgehen.

Wir sehen den Kickoff im halbwegs gut gefüllten Broncos Stadium at Mile High (nicht mehr Sports Authority Field) und gleich danach den ersten Drive mit unserem neuen Hoffnungsträger under center, Case Keenum. Der erste Screen Pass auf Demaryius Thomas sitzt, doch bekommt der 30-jährige Texaner gleich ordentlich Druck von der Vikings Defense. Dies ist auch bei den folgenden Spielzügen nicht anders. Nach nur zwei Drives ist dann auch schon Schluß für ihn. Ganz ohne ein Big Play, aber auch ohne einen Fehler (1-4 – 5 Yards). Auf Grund der, nicht ungewöhnlichen für ein erstes Pre-Season Spiel, nur sehr kurzen Spielzeit, möchte ich den Neuankömmling nicht weiter bewerten. Was allerdings auffiel, war die schwache Offensive Line, die im weiteren Spielverlauf noch so einige Male „glänzte“.

Bei den ersten Defensive Drives mit der vermeintlichen Top-Aufstellung, fiel insbesondere die schwache Run Defense auf. RB Latavius Murray hatte da doch allzu leichtes Spiel. Etwas später dann noch der 78 Yard Touchdown-Lauf von Rookie-RB Roc Thomas. Das war schon etwas überraschend. Da scheint die Zuordnung noch nicht wirklich zu stimmen und auch das Playcalling von außerhalb bedarf noch einiger Justierung. Die Secondary, nun ja ohne Veteran Aqib Talib, fiel erstmal nicht besonders negativ auf. Hatte aber ab und an doch so ihre Probleme mit den Pässen des gegnerischen QBs – kein geringer als Trevor Siemian. Der machte nämlich ein richtig gutes Spiel (vielleicht sogar die beste QB-Leistung auf dem Platz) und läßt ihn uns damit schon ein bißchen vermissen. Gerade im Hinblick auf unsere derzeitige Nummer 2 – Paxton Lynch.

Der Junge machte genau das was wir von ihm kennen. Eine äußerst unglückliche bzw. richtig schlechte Figur. Mit einer Interception ging es gleich los. Er wirkte zögerlich, unsicher, in keinster Weise souverän. Bei jeder Aktion war man froh, wenn sie nicht in einem Sack oder gar einem weiteren Ballverlust endete. Zu ungenaue, zu hohe oder zu scharfe Kurzpässe und keinerlei Mut auf einen mittleren bis tiefen Pass. Kurzum, ich sehe in ihm weder einen soliden Backup, noch die Qualität sich NFL-Quarterback schimpfen zu lassen. Das ist vielleicht zu hart, aber selbst in Jahr Nummer 3 nach dem Draft (in der ersten Runde!), sieht man keinerlei Fortschritte. Da hätte man wirklich besser Siemian oder Sloter behalten können, dabei noch richtig Geld gespart, und kein Phlegma auf der Bank. Ein Albtraum wenn Keenum sich verletzen sollte…

In diesem hoffentlich nicht eintretenen Fall, stünde derzeit nur ein brauchbarer Ersatz bereit und das ist Chad Kelly. Sein erster Auftritt in Orange macht doch deutlich mehr Mut als der seines Vorgängers. Man muß ihn ja eigentlich als Rookie einstufen und das was er zu bieten hatte, war gar nicht so schlecht. Selbstverständlich hat er nur gegen die zweite, dritte bzw. vierte Garde der Vikings Defense gespielt. Trotzdem konnte man bei ihm Souveränität sehen. Bis auf die eine Interception, bei der er wohl alles vergessen hatte, was er vorher richtig gemacht hatte. So war er stark in der Spielübersicht und gegen gegnerischen Druck. Gut und vor allem auch schnell im scramble, womit er es auch schaffte das Spiel dank zweier Touchdown-Pässe zu drehen. Der Zwischenstand war 28:27, bevor die Vikings dann noch 2 TDs draufsetzten. Für mich, wie wohl auch für die meisten anderen, ist Chad Kelly aktuell die klare Nummer 2.

Verlieren wir gleich noch ein paar Worte zum zweiten Ex-Bronco-QB Kyle Sloter. Er konnte da anknüpfen wo er vor einem Jahr noch in Orange und Blau aufgehört hat. Eine starke Leistung von ihm und auch er ist vor Paxton Lynch zu platzieren.

In dem Sinn schauen wir auch noch auf die weiteren Lichtblicke im Broncos-Kader. Da haben wir einen weiteren Neuling in Punter Marquette King. Die neue Nummer 1 im Broncos-Jersey zeigte genau das wofür man ihn geholt hat. Weite und platzierte Punts. Sie kamen immer an die 20 Yards-Markierung bzw. gingen in deren Nähe ins Seitenaus. Er bekam gleich viele Versuche und enttäuschte nicht. Klasse Typ!

Dann war da natürlich noch Rookie-RB Royce Freeman. Mit viel Vorschußlorbeeren gestartet, zeigte er ebenfalls das was man von ihm erwartet. Explosive Läufe, die gleich in einen starken Touchdown-Lauf mündeten. Er wirkt fast wie ein Geschenk für uns nach dem Abgang von CJ Anderson, aber warten wir es ab und hoffen wir darauf, daß er künftig erstmal Spielzeit bekommt.

Einen weitere Hoffnungsträger konnte man in Josey Jewell finden. Der Rookie-LB viel insbesondere durch einen starken Run Block auf. In die Riege fällt auch Shelby Harris, der sich während der letzten Pre-Season ins Team gespielt hat und weiterhin stark auftrumpft. Nicht zu vergessen, Colorado-Rookie Phillip Lindsay. Wie schon im Camp drehte er auch gleich auf. Er fing 3 Pässe für 40 Yards und einen TD. Ein sehr vielseitig einsetzbarer Offense-Spieler. Rushing, Receiving, Returning. Und genau da gab es noch ein Licht am Ende des Tunnels – das Special Team. Den neuen Punter haben wir ja schon gelobt und mit unserem Kicker können wir eh zufrieden sein. Dazu scheint Isaiah McKenzie jetzt vielleicht doch die Kurve zu kriegen. Zu Beginn der letzten Saison hoch gelobt, viel er nach zahlreichen Drops in eine tiefes Loch. Hoffen wir mal, daß sein Punt Return-TD die Wende bringt. Mit Sicherheit eines der Big Plays der diesjährigen Pre-Season.

Da sind wir auch schon beim Fazit. Das Positive überwiegt, doch mache ich mir ziemliche Sorgen um die O-Line. Wenn die wieder auf den Stand von 2016 zurückfällt, sind die Playoffs nicht machbar. Um mehr sagen zu können, brauchen wir natürlich mehr Drives der Top-Besetzung inklusive Case Keenum. Ich weigere mich noch ihn als den Heilsbringer hinzustellen, denn bis dato hat er noch nichts Zählbares geleistet. Mehr sehen möchte ich auch vom gegen die Vikings unsichtbaren Rookie-WR Courtland Sutton.

Dennoch finde ich es völlig unbegründet und überzogen, wenn nach dem ersten Spiel schon die Saison abgeschrieben wird. Nicht nervös werden! Das Ergebnis in den Spielen ist erstmal unwichtig und man sollte keine Leistung überbewerten. Wir haben gute Ansetze gesehen, das zählt gar nichts, aber die Spiele zählen ja auch erstmal nichts. Ab Mitte des dritten Quarters war es eh nur noch ein lockeres Trainingsspiel und man muß auch sagen, daß die Vikings zu Beginn richtig Druck gemacht haben. Offensiv wie defensiv. Immerhin sind sie auch ein Top-Team.

Ich freue mich auf das nächste Spiel gegen die Chicago Bears am kommenden Sonntag. Ein wohl eher schwächerer Gegner paßt jetzt ganz gut. Also auf zu neuen Taten.

Mile High Salute!

Twitter: @nenntmichGordon

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