Trainingscamp – die ersten Tage

Moin deutschsprachiger Sektor!

Da wir alle daraufhin gefiebert haben und wie bereits letzte Woche angekündigt, geht es heute um die ersten Tage des Trainingscamps. Für diesen Artikel habe ich mich von diversen Beiträgen, die in den vergangenen Tagen zu lesen waren, inspirieren lassen. Selber vor Ort war ich ja nicht. Na dann wollen wir mal.

Wie üblich gab es gleich zu Beginn Spieler, die sofort auf sich aufmerksam machten und zu überraschen wussten. Es gab aber auch Spieler, die noch hinter den Erwartungen blieben. Natürlich ist noch genug Zeit, sich während des gesamten Trainingscamps auszuzeichnen und den Coaches zu beweisen, dass man in die Mannschaft gehört bzw. seine Stellung in dieser Mannschaft zu festigen. Hier sind fünf Punkte, die in den ersten Tagen positiv wie auch negativ aufgefallen sind:

1. Isaiah McKenzie

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Wide Receiver Coach Tyke Tolbert konnte bereits im April diesen Jahres Weihnachten feiern. Er wünschte sich dynamische Spielmacher für seine bestehende Truppe. John Elway und seine Scouts wussten die Wünsche Tolberts zu erfüllen, und beglückten ihn mit den Rookies Carlos Henderson und Isaiah McKenzie. Diese beiden sollen wieder mehr Schwung in die Offense bringen. Henderson hat dies bereits im College unter Beweis gestellt, als er sich durch diverse spielentscheidene Aktionen auszeichnen konnte. Sein Kollege McKenzie war insbesondere für seine Qualitäten als Returner bekannt.

Carlos Henderson galt bisher als die wohl gefährlichere Offensivwaffe, doch in den ersten Tagen hat sich Isaiah McKenzie deutlich von seinem Kollegen abgesetzt und konnte mehr überzeugen. Es sieht aktuell so aus als könne der Junge aus Miami in der kommenden Saison eine grössere Rolle im Kader spielen. Seine Fähigkeiten bei Punt Returns sind bekannt, aber er konnte nun auch während der ersten Trainingseinheiten einige eindrucksvolle Pässe fangen, die im Spiel das Prädikat – Big Play – verdienen würden. Experten sehen bereits in der Tatsache, dass er nach drei Tagen mit den Rückennummer „5“, am vierten Tag plötzlich mit der legendären „84“ auflief, als Indikator, dass er sich seinen Platz im finalen Roster bereits gesichert hat.

Während Henderson in den ersten drei Tagen noch nicht glänzen konnte, zeigte McKenzie insbesondere am 4. Tag seine Klasse mit einigen exzellenten Receptions. Dennoch ist die Lernkurve für Wide Receiver Neulinge im Vergleich zu anderen Positionen in der NFL sehr hoch und so ist es nicht auszuschliessen, dass beide weiterhin an ihren Aufgaben wachsen und somit vielleicht zu einer der besten Receiving Units der letzten Jahre werden könnten.

2. Garett Bolles

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Wie schon des öfteren hier erwähnt, sind die Erwartungen an den Erstrundenpick enorm. Dem hielt der „weisse Riese aus Utah“ stand und katapultierte sich an die Spitze der Depth Chart auf seiner Position des Left Tackle. So besteht kein Zweifel, dass Bolles der Starter auf dieser Position sein wird. Es wurde zwar immer als offener Zweikampf dargestellt, aber Bolles hat gegenüber dem erfahreneren Ty Sambrailo die Nase vorn und es sieht nicht danach aus, dass sich daran irgendetwas ändern sollte. Sambrailo hat seit seinem Eintritt in die Liga immer mit Verletzungen zu kämpfen gehabt, was seiner Entwicklung sicher nicht förderlich war. Mit Bolles hat er nun einen schwer zu bezwingenden Kontrahenten, der es ihm wohl kaum ermöglichen wird, mehr Spielzeit zu bekommen.

Nun sind wir natürlich gespannt, wie Garett Bolles die Preseason-Spiele bestreiten wird und ob er seinen Hang zur Garstigkeit auf dem Platz umsetzen und zeigen kann. Somit sollte er der Offensive Line wieder mehr Stärke und Selbstvertrauen geben können.

3. Right Tackle

Von den Glanzlichtern nun auch zu den Problemkindern. Wie soeben beschrieben scheint die linke Seite der Offensive Line mit Garett Bolles gut abgedeckt. Dies lässt sich leider noch nicht über die rechte Seite sagen. Menelik Watson ist dort der Starter auf dem Papier, doch er sah in den ersten Tagen vermehrt schlecht aus. Gut, sein Gegenspieler war Von Miller und das Spiel ohne Körperprotektoren ist besonders für die O-Line schwierig. Aber auch mit kompletter Ausrüstung zeigte sich beim gebürtigen Briten keinerlei Verbesserung. Die Berichte sagen alle, dass er über die gesamten Trainingseinheiten hinweg Probleme hatte, so dass konstanter Druck auf seine Position ausgeübt wurde. Das führte in der Folge zum Ende derSpielzüge, sowie zu fehlgeleiteten Würfen bzw. Interceptions beider Quarterbacks.

Der Ex-Raider, der in seiner letzten herausragenden College-Saison für Florida State noch alle NFL-Scouts auf sich aufmerksam werden liess, hatte danach in der Liga vermehrt mit Verletzungen zu kämpfen, und konnte daher nur schwerlich die hohen Erwartungen erfüllen. Es bleibt aber weiterhin denkbar, dass sich Watson als beste Alternative zu Donald Stephenson oder jedem anderen auf seiner Position erweisen wird. Allerdings kann man darauf wetten, dass eine Priorität in der Free Agency oder dem Draft 2018 auf der Suche nach einem gleichwertigen Partner für Garett Bolles liegen wird.

4. Outside Linebacker

Die Verletzungen von Shaq Barrett und zuletzt Shane Ray haben einen Strich durch die Defensivpläne des Teams gemacht.Gleichzeitig ergaben sich aber auch neue Chancen für Spieler wie Vontarrius Dora, Kasim Edebali und Ken Ekanem, diezeigen konnten, dass sie auch noch da sind. Der Deutsche Kasim Edebali ist der Spieler, der zuletzt das meiste Lob von Mitspielern und Trainern einheimsen konnte. Dennoch haben die Broncos nicht aufgehört zu experimentieren, um noch andere Lösungen für die verletzungsbedingten Probleme auf der Position des Outside Linebackers zu finden.

Zweitrundenpick DeMarcus Walker wird nun nämlich auf dieser Position getestet. Der Rookie von der Florida State wurde jüngst vermehrt in engem Kontakt mit Linebacker Coach Fred Pagac gesehen. Des Weiteren erhielt er Tipps und Anleitungen vom neuen Kollegen Von Miller. Noch dazu sickerte durch, dass der pensionierte Veteran DeMarcus Ware seinen Namensvetter persönlich coachen soll. Es ist ein überraschender Positionswechsel vom Defensive End zum Outside Linebacker. Aber Walker ist ein fähiger Spieler und ein ausgezeichneter Pass Rusher auf den man zählen kann, wenn es darum geht das Team zu 100% zu unterstützen. Natürlich ist es für den Neuling nun eine komplett andere Situation. Denn entgegen einiger Twitter-Meldungen, dass er Erfahrungen auf dieser Position hätte, ist es für ihn absolutes Neuland. Er ist zwar talentiert genug, um so einen Positionswechsel zu meistern, aber die Broncos werden ihn langfristig wohl eher auf seiner angestammten Position einsetzen wollen. Kurzfristig scheint die Alternative aber durchaus sinnvoll.

5. Quarterbacks

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Um den Spannungsbogen soweit wie möglich aufzubauen, hier nun der letzte Punkt zum Duell der Quarterbacks.

Die Worte von Head Coach Vance Joseph zum Abschluss des Sonntagstrainings, sind wohl kaum jemandem entgangen. Er war nicht sonderlich beeindruckt, von dem was seine beiden Quarterbacks während der Trainingseinheit boten. Er zeigte sich sogar ungewohnt unzufrieden. Dies birgt allerlei Gründe zur Sorge, denn die Fans sehnen sich nach Konstanz und einem kompetenten Leader auf dieser Schlüsselposition. Doch am Sonntag glänzte nur ein Mannschaftsteil, nämlich die No Fly Zone, die mehrere Interceptions beider QBs fangen konnte. Nach einem schwierigen Start war es allerdings Paxton Lynch, der nach einigen Fehlwürfen und einer Pick Six mit mehreren guten Spielzügen zurückschlagen konnte. Genau diese Art von Spieler braucht das Team, egal wer der Starter sein wird. Offensivkoordinator Mike McCoy nahm nach dem Training kein Blatt vor den Mund und lobte Lynch ausdrücklich für diese Eigenschaft.

Während Trevor Siemian zwar mehr erfolgreiche Pässe verzeichnen konnte, waren es aber zu meist die leichteren Würfe mit wenig Raumgewinn, die ihm gelangen. Eine Begebenheit, die nur zu gut an die letzte Saison erinnert, in der zu oft ein Drive im 3-and-out endete. Viele Reporter sahen an dem Tag Siemian wiedermal als Verlierer im Zweikampf. Als Quarterback der meist zu vorsichtig ist und genauestens überlegt, wohin der Ball am sichersten geworfen werden sollte, riskiert er leider zu selten die Möglichkeit eines Deep Pass. Das führt dann eben zu einer geringen Yard-Ausbeute. Sicher ist eben nicht immer die besten Alternative und bringt eine Mannschaft, die nach verpassten Playoffs am Scheideweg steht, nicht wirklich weiter.

An eine baldige Entscheidung, wer starten wird, ist jedoch vor Abschluss der Preseason-Spiele nicht zu denken. Bis dahin bieten sich den beiden Jungstars noch reichlich Gelegenheiten, die Entscheidungsträger und vor allem auch die Fans zu überzeugen. Dennoch sehe ich derzeit Paxton Lynch in der Spur sich den Startplatz zu holen. Wenn er weiter an sich arbeitet und sich im Laufe der Preseason verbessert, sollte er es sein, der am 11. September in Mile High aufläuft. Selbst wenn der Zweikampf eng bleiben sollte, denke ich trotzdem, dass Lynch die Nase vorn haben wird, da er über mehr Fähigkeiten für Big Plays verfügt. Wenn das Team kommende Saison etwas erreichen will und dabei auch etwas riskieren möchte, dann werden sie auf Paxton setzen. Wählt man aber die sichere Variante und versucht mit einem Game Manager ein paar Siege zu ergattern, dann wäre natürlich Trevor die passendere Alternative.

Was glaubt ihr, welche Variante wird ein John Elway wohl bevorzugen?

Ich wünsche allen eine schöne Woche.

Mile High Salute

Gordon

Twitter: @nenntmichGordon

The cover photo for this article was taken by Ryan Greene (@RGreene5280) and we have received permission from Ryan to use this photo. Check out his account for other great photos.

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