Wer ist eigentlich Vance Joseph?

Credit: Reid Neureiter

Wer ist eigentlich Vance Joseph?

Hallo Broncos Fans,

an dieser Stelle heißt es wieder alle Augen auf die Denver Broncos. Wir starten gleich mit dem kurzen Wochenrückblick, bevor wir ein neues Gesicht in Mile High City mal etwas genauer unter die Lupe nehmen wollen.

– 4. Juli

Sportübergreifend war Brandon Marshall erfolgreich. Ihm ist es unter anderem zu verdanken, dass die Denver Nuggets den viermaligen All-Star Paul Millsap von den Atlanta Hawks verpflichten konnten. Der Broncos Linebacker, versteht sich gut mit dem Präsidenten der Nuggets, Tim Connelly, und ausserdem ist er mit Nuggets Guard Gary Harris befreundet. Als sich Marshall und Harris einige Tage in Atlanta aufhielten, knüpften sie Kontakt zum Free Agent Millsap und erfuhren, dass er Verbindungen nach Denver hat und schon seit seiner Kindheit ein Broncos Fan ist. Einen Tag später unterschrieb der Basketballer einen Dreijahresvertrag in Denver. Marshall erklärte, er wolle generell alle Teams in Colorado unterstützen und wenn er entsprechendhelfen kann, mache ihn das sehr glücklich.

– 5. Juli

Matt Paradis‘ Verletzungsmisere scheint überwunden. Der Center litt seit Ende letzten Jahres an Hüftschmerzen und wurde diesbezüglich zweimal operiert. Wie wichtig er ist, haben wir letzte Saison gesehen, denn er ist vor allem eine grosse Konstante im Team. Immerhin stand er bei jedem Offensive Snap in den letzten beiden Saisons auf dem Platz. Das können nicht viele von sich behaupten.

– 6. Juli

Coach Vance Joseph bezeichnet den Roster der Wide Receiver als “überfüllt”. Demnach gibt es dort derzeit einen Kampf ums “Überleben” im Team. Es ist also davon auszugehen, dass das ein oder andere bekannte Gesicht in der neuen Saison keinen Platz im Team finden wird. Über Kandidaten wird jedoch viel spekuliert. Darauf werden wir in den kommenden Wochen nochmals genauer zurückkommen.

– 7. Juli

Geht es nach Star Wide Receiver Demaryius Thomas, sollte die Quarterback-Frage bald geklärt sein. Er rechnet mit einer Entscheidung in der zweiten Woche des Trainingcamps Mitte August. Schau’n wir mal.

– 8. Juli

Terrance Knighton

Der ehemalige Defensive Tackle der Broncos, Terrance Knighton, hat sich bei Twitter zu den hohen Gehältern der NBA-Stars geäussert. Seiner Meinung nach, sollte Aaron Rodgers mehr verdienen als ein James Harden und Tom Brady mehr als ein Steph Curry. Zum Vergleich James Harden von den Houston Rockets hatte zuletzt einen neuen Sechsjahresvertrag über 228 MillionenDollar unterzeichnet. Steph Curry von den Golden State Warriors bekommt für die nächsten 5 Jahre schlappe 201 Millionen Dollar. Quarterback Aaron Rodgers von den Green Bay Packers bekommt dagegen “nur” 110 Millionen Dollar für 5 Jahre und Tom Brady verdient derzeit $ 41 Millionen in 2 Jahren.

– 9. Juli

Laut Informationen von 9News soll Broncos Eigentümer Pat Bowlen auf der Liste der Neuaufnahmen in die Hall of Fame stehen. Seit seiner Übernahme 1984 sind die Broncos eines der erfolgreichsten Teams der NFL. Bowlen, ein Ölmillardär aus Wisconsin, leidet seit einigen Jahren an Alzheimer.

Und nun zum neuen Head Coach Vance Joseph.

Wer ist das überhaupt?

Geboren am 30. September 1972 in Louisiana wurde er bereits mit 5 Jahren Quarterback. Diese Position füllte er bis zu seinem letzten Jahr am College aus. Während dieser Zeit führte er als 14-Jähriger seine High School, Archbishop Shaw, im Jahr 1987 zur einzigen Meisterschaft im Staat Louisiana. Nach der High School verschlug es ihn das erste Mal nach Colorado. Dort spielte er von 1990 bis 1995 in Boulder für die Colorado Buffaloes. Meist jedoch als Backup Quarterback. So kam er am College auf 34 angekommene Pässe bei 61 Versuchen für 454 Yards und 4 Touchdowns bei keiner Interception. Ausserdem war er auch noch als Running Back aktiv und schaffte in 50 Versuchen 237 Yards und einen Touchdown. Er war damit auch indirekt am einzigen nationalen Titel der Buffaloes 1990 beteiligt. Im selben Jahr gewann man den Orange Bowl gegen Notre Dame.

Nebenbei bemerkt, Joseph‘s älterer Bruder Mickey Joseph, war ebenfalls Quarterback. Von 1990 bis 1991 war er teilweise Starting Quarterback der Nebraska Cornhuskers. Zuletzt hat er übrigens auch wie sein Bruder eine Trainerlaufbahn eingeschlagen. Er heuerte Anfang Februar in seiner Heimat bei der renomierten LSU (Louisiana State University) als Wide Receiver Coach an.

Die Wechsel auf der Feldposition setzten sich dann für Vance Joseph auch in Zukunft fort. Die New York Jets verpflichteten den Südstaatler 1995 als undrafted free agent für die Position des Defensive Backs. In seinen 2 Jahren in der NFL kam er für die Jets und später Indianapolis Colts auf 6 Spiele von Anfang an, in denen ihm 2 Interceptions gelangen. An sein erstes NFL Spiel erinnert er sich nur ungern. Als Cornerback lief er für die Jets gegen die Los Angeles Raiders auf. Sein Gegenspieler war kein Geringerer als der spätere Hall of Fame Wide Receiver Tim Brown. Dieser kam in dem Spiel auf 2 Touchdowns und 156 Yards.

Joseph merkte schnell, dass die Spielerlaufbahn nicht viel für ihn zu erwarten hatte und so wagte er 1999 den Schnitt und wurde Assistenztrainer in, ja klar Colorado. In Boulder zurück bei den Buffaloes war er dann bis 2001, und nach einem einjährigen Intermezzo bei den Wyoming Cowboys 2002, bis 2003 Defensive Backs Coach.

Am 17. Februar 2005 kam dann der Aufstieg in die NFL. Die San Francisco 49ers engagierten ihn als Assistenten und ein Jahr später wurde er Trainer der Secondary, eine Position die er bis 2010 inne hatte. Im Jahr 2011 gab es wieder eine Luftveränderung als ihn der Defensivkoordinator der Houston Texans, Wade Phillips, als Defensive Backs Coach an Bord holte.

Die Arbeit mit dem späteren Super Bowl Gewinner (Broncos 2015), Wade Phillips, bezeichnet Joseph als seine wichtigste Zeit und die Person mit dem grössten Einfluss auf seine Trainerlaufbahn. Die Art und Weise von Phillips, an seinen Prinzipien festzuhalten und beharrlich seine Arbeit zu verbessern, hätten ihn stark beeinflusst. Egal ob sie eine Saison mit 13 oder 12 bzw. nur 2 Siegen abschlossen, Phillips war immer gleich gut gelaunt, niemals launisch oder unfair. Seine Philosophie und seine Standards waren ihm hoch und heilig. Diesen Eigenschaften zollte Joseph grossen Respekt.

Die beiden arbeiteten 3 Spielzeiten gemeinsam von 2011 bis 2013. Houston hatte während dieser Zeit die zweitbeste Defensive 2011 und die siebendbeste in 2012. Ein Jahr später kam dann allerdings der Einbruch.

Einen anderen bekannten Weggefährten gab es bei den Texans auch noch in Gestalt von Gary Kubiak. Dieser war nämlich während der gleichen Zeit Head Coach in Houston. Welch Zufall, dass Joseph jetzt sein Nachfolger in Denver wurde. Es ist also davon aus zu gehen, dass ein Teil der Philosophien von Kubiak and vor allem Phillips in Vance Joseph weiterleben werden, was sicher keine schlechten Aussichten sind.

Wenn Kubiak nicht gewesen wäre, dann hätte es 2015 vielleicht schon geheissen: Vance Joseph wird Trainer in Denver! Denn als John Fox, nach dem Playoff-Aus entlassen wurde, war Joseph einer der Wunschkandidaten auf der Position des Head Coach. Allerdings war sein damaliger Arbeitgeber, die Cincinnati Bengals, nicht bereit Joseph ziehen zu lassen. Gary Kubiak wurde dann an seiner Stelle aus Baltimore geholt.

In Cincinnati war Joseph ebenfalls erfolgreich. In zwei Saisons als Defensive Backs Coach fingen seine Jungs 41 Interceptions, die Bestmarke in der NFL zwischen 2014 und 2015.

In Texas konnte Joseph’s Team die Completionrate des Gegners bei nur 52,5 % halten und ausserdem ließ man die drittwenigstens Passing Yards (207,7 pro Spiel) zu. Was also die Defensivqualitäten angeht, muss man sich insbesondere in Zusammenarbeit mit Leuten wie Aqib Talib, Chris Harris Jr., T.J. Ward und natürlich Von Miller keine grossen Sorgen machen. Interessant wird dagegen sein, wie der frühere Quarterback und Running Back die Offensive beleben kann. Als erster farbiger Head Coach der Broncos steht er deshalb von Anfang an unter Druck, denn dort befindet sich das schwierigste Schlachtfeld für den letztjährigen Defensive Coordinator der Miami Dolphins.

Die Website www.theundefeated.com, die über farbige Persönlichkeiten im US Sport berichtet, hat auf ihn ein besonders Augenmerk geworfen. Joseph befindet sich mit nur 5 anderen farbigen Head Coaches in der NFL in einer Nische, was seinen Berufsstand angeht. Er trägt dazu bei, dass durch ihn nun 20 % der NFL-Trainer Afro-Amerikaner sind. Dennoch ist er erst der 18. schwarze Head Coach überhaupt in der Geschichte der NFL. Dies reduziert den Druck der ohnehin schon auf ihn lastet nicht wirklich.

Credit: Denver Broncos Youtube

Es liegt also eine schwere erste Saison vor dem gebürtigen Louisianer. Wir drücken ihm und seinem gesamten Trainerstab natürlich alle verfügbaren Daumen und hoffen auf bestes Gelingen, in die Fußstapfen von Gary Kubiak und Wade Phillips zutreten. Nur wird er sie auch füllen können?

Eines ist klar, sein Erfolg in Denver wird nur über Titel gemessen und ein zweites Verpassen der Playoffs in Folge könnte ihm schnell seinen Job kosten.

Jetzt ist aber genug mit dem Druck. Euch allen eine angenehme Woche. Ab dem kommenden Wochenende bin ich im Urlaub, bastele aber schon am Artikel für nächste Woche. Ihr werdet also (wahrscheinlich) auch in der kommenden Woche etwas Neues zu lesen haben.

Mile High Salute

Gordon

Twitter: @nenntmichGordon

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